
Wenn es gießt wie aus Eimern, haben wir ihn nicht dabei, und im Hochsommer gerät er fast komplett in Vergessenheit. Dabei liegt der Ursprung des Schirms ausgerechnet dort, wo es meist heiß, sonnig und trocken ist: in Asien und Afrika. Die ersten Prototypen gab es in Ägypten … als Zeichen der Erhabenheit der Herrscher. Im übrigen sprechen wir hier von der Zeit um 3000 vor Christus. Hätten Sie ’s gewusst?
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Praktische Chinesen
Etwa 2000 Jahre später – also 1000 v.Chr. – sollen es die Chinesen sein,
die dem Schirm einen ganz praktischen Zweck abgewinnen:
Sie nutzen ihn als Sonnenschutz – was deutlich mit der Tatsache
konkurrierte, dass der Schirm in sämtlichen Kulturen viele hundert Jahre
lang als Zeichen und Symbol für Macht, Herrschaft und Erhabenheit gilt.
Die Stellung eines Würdenträgers im Reiche der Mitte etwa erkennt man zu
jener Zeit an der Anzahl der Etagen eines Prunkschirmes.
Vier Dächer übereinander sind nur des Kaisers Vorrecht.
Sklavische Schirmträger in Griechenland
Um 800 v.Chr. benutzt die Griechin als erste Frau den Schirm für ihren
privaten Gebrauch… und lässt den dreieckigen Schirm an langen Stangen von
Sklaven tragen.
Die Römer mögen ’s edler
Die ersten Sonnenschirme der Römer werden aus Bambusstäben und Palmblättern hergestellt. Später bespannt man sie mit Seide, verziert sie mit Gold und schmückt die Tragestange mit Elfenbein und Edelsteinen. Als Herrschaftszeichen dient der Schirm dem berühmt-berüchtigten Kaiser Caligula, sehr viel später – im 4. Jahrhundert – erstmals dem Papst.
Wiedergeburt um 1550 in Europa
Während in Asien der Schirm zum praktischem Bekleidungszubehör wird – die erste zusammenklappbare Version hatten die Koreaner bereits 25 v.Chr. entwickelt! – geriet er in Europa in Vergessenheit. Erst im 16. Jahrhundert taucht der Schirm in Italien, Portugal und Spanien wieder auf. Man benutzt ihn auf der Jagd und auf Reisen.
Der Schirm als Modeutensil
Erst gegen Ende des 17.Jahrhunderts sieht man auf Modebildern junge elegante Damen den Schirm selbst tragen. Der englische Philosoph Locke schrieb damals: „Schirme sind kleine, leichte Utensilien, welche die hiesigen Damen brauchen, um sich vor der Sonne zu schützen und deren Benutzung sehr bequem erscheint“.
Der Schirm, ganz schön spannend
Die wohl spannendste Zeit des Schirmes fällt ins 17. und 18. Jahrhundert:
1644 können Schirme erstmals in Marseille ganz normal käuflich erworben
werden. 1664 zeigt sich Paris von den ersten chinesischen Papierschirmen
entzückt. 1705 kommt der erste wasserfeste Schirm auf den Markt – und das
nicht ohne Folgen: Der Regenschirm wird beleidigt als abstruses Objekt;
Schirmträger werden öffentlich diskriminiert!
Mehr noch: Die holländische Kolonie in Südafrika sieht sich 1752 sogar
gezwungen, Schirm-Gesetze zu erlassen, die nur den Privilegierten erlauben,
Schirme zu tragen!
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Robinson Crusoe unterm Schirm
Zwei Männer sorgen für eine enorme Verbreitung des Schirmes: zum einen
Daniel Defoe, der 1719 seinen „Robinson Crusoe“ veröffentlicht und woraufhin
man in England Schirme nur noch Robinsons nennt (in Anlehnung an Robinsons
Schirm). Zum anderen Jonas Hanway, der als erster Engländer etwa ab 1760
nicht mehr ohne Regenschirm ausgeht, obwohl er oft beschimpft und sogar
beworfen wird.
Hanway blieb standhaft… und sein Schirm aufgespannt!
Elegant, praktisch, unverzichtbar
In der Folgezeit wird der Schirm in Fabriken hergestellt. Man bemüht sich vor allem darum, sein Gewicht von rund 5 Kilogramm zu reduzieren. Allein in Frankreich von 1791 bis 1843 gibt es 60 Patente, die dieses Ziel haben. Mitte des 19.Jahrhunderts bezieht der Regenschirm als besonderer Schützling – vor allem in der englischen Herrenmode – seine bis heute starke Position. Er wird alsbald zum unerlässlichen modischen Attribut des eleganten Briten, der keinesfalls auf seinen Schirm verzichtet.
Mit TÜV und Siegel in die Zukunft
Neben dem praktischen Taschenschirm, der seit 1927 in Deutschland
hergestellt wird und sich als Schirm für alle Fälle unentbehrlich macht,
ist der Modeschirm auferstanden. Er ist mit Kunstseide, Seide oder Nylon
bespannt und mit Leder-, Holz- oder Kunststoffgriffen ausgerüstet. Die
modernen Qualitätsschirme des 21.Jahrhunderts zeichnen sich durch mehrere
Merkmale aus:
Sie sind leichter als alle ihre Vorgänger, aus hochwertigen und extrem belastbaren Materialien gefertigt, erfüllen höchste Sicherheitsansprüche (z.B.TÜV-zertifiziert) und sie sind in nahezu allen Keil-Kombinationen und scheinbar unbegrenzter Dessin-Vielfalt zu haben.
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